Vorweg: Es geht nicht um Fett insgesamt, sondern um die gesättigten Fettsäuren. Das finnische Nordkarelienprojekt hat gezeigt: Wenn gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte ersetzt werden, wird ein ganzes Volk gesünder. Das bestätigt im nachhinein die Leitlinie Fett der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nach Sichtung von über 5.000 Studien.
Allein durch Aufklärung aber ändert sich Essverhalten nur langsam: Gewohnheit und Kosten sind für den Verbraucher wichtiger. Dazu kommt Werbung und eine Lebensmitteltechnologie, die uns auch Ungesundes schmackhaft macht. Alle wollen verdienen: Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Handel. Wer aber vertritt das Interesse an der Gesundheit? Das können letzten Endes nur wir selber übernehmen – oder unsere Vertreter im Parlament.
Der einfachste Weg ist es tatsächlich, den Verbraucher beim Geldbeutel zu packen. Ungesundes – das oft billig ist – sollte teurer werden. Dann haben auch gesündere Lebensmittel eine Chance! Und gerade arme Bevölkerungsschichten profitieren doppelt: Fettgesunde Lebensmittel werden in diesem Falle relativ billiger. Ein Sündenfall der Bevormundung? Nun tun wir doch nicht so, als ob die Lebensmittelpreise "frei" seien! Die von der EU am stärksten geförderten Lebensmittel sind gleichzeitig auch die mit den größten gesundheitlichen Nachteilen: Zucker, Fleisch und Fett. Getreide wird nur mäßig bezuschusst, gesunde Fettfrüchte ebenfalls - und Obst und Gemüse so gut wie gar nicht. Das heißt: Mit EU-Geldern werden Lebensmittel gefördert, von denen wir eher etwas weniger essen sollten. Da ist die Idee doch nicht abwegig, die ungesunden Dinge etwas teurer zu machen.
Aber bitte die gewonnene Steuer sofort in die Aufklärung stecken – bei Kindern und Schwangeren, Erziehern und Lehrern! Ganz praktisch mit Schul- und Kindergartenprojekten, mit Zuschüssen zur Schulverpflegung und Beratung. Dann wird sie vielleicht irgendwann überflüssig! |
Wir haben auf der Basis von 12.000 Haushalten berechnet, welche Effekte die Einführung einer Fettsteuer in Deutschland hätte, wenn sie nach dem dänischen Modell konzipiert wäre. Nach diesem Szenario würde der Lebensmittelpreis um 2,15 Euro pro Kilo gesättigtem Fett steigen. Würde
diese Preiserhöhung in vollem Umfang beim Konsumenten ankommen, würde sie also nicht auf vorgelagerte Bereiche (z.B. Milcherzeuger) übertragen, hätte das zur Folge, dass beispielsweise Butter etwa 30 Cent pro Päckchen mehr kosten würde und ein halber Liter Sahne etwa 20 Cent. Im Durchschnitt würden die Preiserhöhungen bei fetthaltigen Lebensmitteln zu einem Minderkonsum dieser Produkte und dann zu einer Senkung der Energieaufnahme um rund zehn bis 20 Kilokalorien pro Person und Tag führen. Damit könnte es langfristig gesehen zu einer Gewichtsreduktion kommen.
Bezahlen müssten für eine Fettsteuer allerdings auch die Normalgewichtigen und die Lebensmittelpreise würden im Mittel steigen. Darüber hinaus bringt die Umstrukturierung des Lebensmittelverbrauchs weitere Nachteile mit sich. Die Aufnahme bestimmter Nährstoffe, bei denen in Deutschland ohnehin eine Unterversorgung vorliegt würde sich weiter reduzieren. Dazu gehören z. B. Vitamin D und Calcium – beide Nährstoffe sind wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose und auch in der Ernährung von Kindern. Eine verringerte Aufnahme dieser Nährstoffe, könnte für einige Bevölkerungsgruppen problematisch werden. Weiterhin ist damit zu rechnen, dass Fett als Geschmacksträger durch Salz substituiert wird. Welche gesundheitlichen Auswirkungen das hat, kann derzeit schwer eingeschätzt werden. Außerdem wäre die finanzielle Belastung nicht bei allen Haushalten gleich. Ärmere sind relativ gesehen stärker belastet als Haushalte mit höherem Einkommen.
Angesichts dieser Negativeffekte ist zu bezweifeln, dass eine Fettsteuer das geeignete Mittel zur Reduzierung des Übergewichts ist. Darüber hinaus ist Fett nicht grundsätzlich ungesund und Träger wichtiger fettlöslicher Vitamine. Daher ist eine Fettsteuer nicht als geeignetes Instrument zur Verbesserung der Gesundheit anzusehen. |