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Bio-Betrug in Italien Noch keine Hinweise auf den FachhandelDie wichtigsten Obst- und Gemüseimporteure des Fachhandels gehen davon aus, dass sie keine Ware von den in Italien wegen Betrugsverdachts Verhafteten und deren Unternehmen bezogen haben. Auch sonst gab es beim BNN Herstellung und Handel und beim BÖLW keine Hinweise auf Fachhandels-Verarbeiter, die mit diesen Unternehmen gehandelt hätten. Der BÖLW schreibt: „Seit Bekanntgabe der Betrugsfälle mit Bio-Lebensmittel in Italien überprüfen die deutschen Bio-Verbände umfassend, ob Mitgliedsunternehmen mit der fraglichen Ware beliefert wurden. Dabei arbeiten die deutschen Bio-Verbände eng mit den italienischen Verbandskollegen und den Bio-Kontrollstellen zusammen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise darauf, dass Lieferanten des deutschen Naturkosthandels betroffen sind.“ Dennree, Weiling, Rapunzel, Heuschrecke und einige andere Unternehmen haben ihren Kunden mitgeteilt, dass sie nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen sind. Aus mehreren Gründen nur eine Momentaufnahme. Völlige Sicherheit, dass der Fachhandel nicht betroffen ist, gibt es noch nicht. Die taz zitierte die italienische Polizei mit den Worten, es seien „mindestens 543 Tonnen Getreide, vor allem Soja, nach Deutschland gelangt." Betrugsware kann viele Wege genommen habenDie Inhaftierten hatten ein Geflecht an Firmen aufgebaut, während sich die Recherchen bisher vor allem auf zwei namentlich in Medienberichten genannte Firmen bezogen. Eine dieser Firmen, Sunny Land, war Bio Suisse-zertifiziert. Der Schweizer Verband hatte noch am Dienstag alle Sunny Land Erzeugnisse sperren lassen. Welche Mengen Bio Suisse – zertifizierter Ware tatsächlich in den Lagern und Silos der Schweiz liegen, ist noch nicht bekannt. Ebenso ist offen, ob über die Schweiz Ware (mit und ohne Bio Suisse-Knospe) nach Deutschland kam. Eine der Inhaftierten vertrat auch zwei Firmen in der Schweiz (siehe unten). Möglich wäre es, dass Getreide- und Futtermittelpartien von den betroffenen Unternehmen innerhalb Italiens gehandelt wurden und über andere Lieferanten nach Deutschland gelangten. Alle diese Wege nachzuvollziehen, wird Wochen dauern. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung habe weder von den italienischen Behörden noch von der EU-Kommission von dem Skandal erfahren, schrieb die taz. Die Behörde hat nun erst einmal bei ihren italienischen Kollegen Lieferlisten angefordert, um Produkte zurückverfolgen und gegebenenfalls sperren zu können. Firmengeflecht und VorstrafenDie Guardia di Finanza in Verona hat in einem ausführlichen Bericht die Namen der Verhafteten und der Firmen, für die sie tätig waren, veröffentlicht. Genannt werden neben einigen Bauernhöfen und Sunny Land die Firmen Bioecoitalia, Bioagri Sas, La Spiga Srl, Eridano Trading Srl, Centro Cereali Srl, Grain Sistem Srl sowie die beiden in der Schweiz ansässigen Unternehmen Agridea Sa und Life Gruop Holding Sa. Eine ausführlichere Darstellung im Internet existiert nur von Sunny Land. Das Unternehmen verfügte nach eigenen Angaben über rund 60 angeschlossene Betriebe mit 26.000 Hektar Anbaufläche, davon 8.000 ha in Italien und 18.000 ha in Osteuropa, insbesondere in Rumänien. Auf der Lieferliste standen Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten. Bemerkenswert an dem Bericht der Guardia di Finanza ist das Vorstrafenregister einiger Beteiligter. Katerstimmung in ItalienDer italienische Biodachverband FederBio, die Kontrollstellen ICEA und CCPB und der Unternehmerverband Assobio haben sich zu Wort gemeldet. Die Stellungnahmen betonen, dass den Schaden die vielen ehrlichen italienischen Biobauern hätten, dass es vor allem um Fälle aus den Jahren 2007 und 2009 gehe und dass die Kontrollstellen mit den Ermittlungsbehörden an der Aufklärung arbeiteten. Erwähnt wird auch, dass einige Marktbeteiligte schon seit längerem das Landwirtschaftsministerium drängen, endlich eine Datenbank einzurichten, um die Bio-Warenströme besser verfolgen und kontrollieren zu können. Schon im letzten Jahr hatte es von Biobauern-Kooperativen Beschwerden über billige Weizenimporte aus Rumänien gegeben, die in Italien zu original italienischer Bio-Pasta verarbeitet wurden.
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