- | + Biohandel    online 20.10.2011

 

Gentechnik

Right2Know-Marsch endet vor Weißem Haus

„Label GMO-Food“ stand auf dem riesigen Banner, das Teilnehmer am Right2Know-Marsch vor dem Weißen Haus in Washington ausrollten. Dort endete nach 16 Tagen die rund 500 Kilometer lange Wanderung zugunsten der Auslobung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Nach dem Muster von Genfrei Gehen in Deutschland hatten Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm und Mit-Organisator David Bronner diese Form des Protestes gewählt, um die unterschiedlichsten Menschen am Wegesrand über mögliche Gefahren der Agro-Gentechnik zu informieren. Während des mehr als zweistündigen Marsches durch die Hauptstadt wurden noch Hunderte von Flyern, T-Shirts und Bio-Snacks an Passanten verteilt. Eine Polizei-Eskorte begleitete die 150 Aktivisten zur Abschlusskundgebung mit etwa 500 Teilnehmern am Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten.

Gut lesbar für Obama: Gegner der Agro-Gentechnik präsentieren ihre Forderung nach Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel auf einem Riesenbanner.

„Gentechnik hat keinen Platz auf unserem Planeten. Wir können auf Mutter Erde vertrauen, sie hat die besten Rezepte“, sagte Joseph Wilhelm. Zum Weißen Haus gerichtet rief er: „Not GMO – yes we can!“ Er forderte Präsident Obama auf, sein Versprechen bezüglich GMO (Genetically Modified Organism) einzulösen. Die Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, erinnerte die US-Regierung daran, dass die Menschen ein Recht auf gesunde Nahrung hätten. Der Moment sei historisch, weil immer mehr Menschen „den Betrug des Monsanto-Systems“ erkennen würden. Sara Snow, Verfechterin des „Green Lifestyle“ in den USA, plädierte für weitere gemeinsame Aktionen, um endlich eine Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu erreichen. „Durch die Gentechnik werden wir alle zu Teilnehmern eines riesigen Experiments“, betonte sie. Michael Funk, Inhaber des größten Naturkost-Distributeurs in den USA brachte seine beiden Kinder mit auf die Bühne und erklärte: „Meine Kinder sind einer der wichtigsten Gründe für mich, warum ich gegen GMO bin.“ Auch das kanadische Ehepaar Louise und Percy Schmeiser, durch den Kampf gegen das Saatgutunternehmen Monsanto bekannt, war zu der Veranstaltung gekommen.

Motive von Weggefährten

Den einzelnen Etappen des Right2Know-Marsches hatten sich jeweils etwa 30 bis 40 Menschen angeschlossen. Sie kamen zum Teil aus Texas, Kalifornien und Arizona, manche auch aus Italien, Palästina und Deutschland. Fachjournalistin Karin Heinze befragte einige Weggefährten nach ihren Motiven für die Teilnahme an der Wanderung:

  • Stephanie Mattson aus Vermont, Mutter dreier erwachsener Kinder, will eine Bildungsinitiative gründen, um den Menschen bewusst zu machen, wie wichtig gutes Essen ist und was schlechtes Essen anrichten kann. Sie sprach die Menschen an der Strecke an und klärte sie über die Problematik gentechnisch veränderter Produkte auf. Meist traf sie auf interessierte Ohren, auf Menschen, die dankbar für die Informationen waren und die den Mut der Läufer bewunderten.
  • Der 24-jährige Will hat sich dem Marsch spontan angeschlossen. Seine Mission ist es, Alternativen zum herkömmlichen „American Way of Life“ aufzuzeigen. Es geht um eine neue Kultur eines erfüllten, spirituellen, ethisch und ökologisch korrekten Lifestyles. Schon einige Jahre tourt Will mit seinem Mountain-Bike durch die USA, nimmt an Green Festivals teil, propagiert Passivhäuser und macht auf Umweltprobleme aufmerksam.
  • Für die 40-jährige Geene aus Baltimore war der Right2Know-March eine Herzensangelegenheit. „Ich bin Mutter und ich fühle mich nicht nur für das Wohl meiner Kinder verantwortlich“, sagte sie. Gesunde Ernährung und eine lebenswerte Zukunft in einer intakten Umwelt ist ihr Thema: „Ich tue alles, was ich kann, um andere zu informieren, um aufzuklären. Wir Verbraucher dürfen nicht länger schweigen. Wir fordern Transparenz, denn wir haben das Recht zu wissen, was wir essen.“ Gentechnik gehöre verboten: „Das werden wir nicht schaffen, aber eine Kennzeichnung ist realistisch.“

IFOAM-Präsidentin Katherine DiMatteo machte deutlich, dass das Ende des Marsches auf keinen Fall das Ende der gemeinsamen Bemühungen sei. Die Online-Unterschriften-Kampagne „Just Label it“ laufe, eine Petition an die Lebensmittelbehörde sei bereits abgeschickt, weitere Aktionen seien in Planung. Ziel sei es, der Regierung eine glaubwürdige Anzahl von Menschen zu präsentieren, die hinter der Aktion zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel stehen.

www.justlabelit.org

Interview mit Joseph Wilhelm

 

 

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