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Bio-Linsen Ursache entdecktDas in türkischen Bio-Linsen gefundene Glyphosat stammte aus konventionellen Linsen, vermutlich aus Kanada. Diese wurden bei der Verarbeitung durch den türkischen Lieferanten Tiryaki mit Bio-Linsen vermischt – unabsichtlich, vermutet der für Tiryaki zuständige Zertifizierer IMO GmbH. Dessen Inspektoren stellten deutliche Missstände bei der Trennung zwischen konventionellen und organischen Linsen im Bereich der Warenannahme und Lagerung fest.Vier Wochen lang hatten IMO-Mitarbeiter die Linsenverarbeitung bei Tiryaki unter die Lupe genommen und zahlreiche Proben auf Glyphosat untersuchen lassen – sowohl aus dem Verarbeitungsbetrieb als auch von türkischen Bio-Bauern, die unangemeldet besucht wurden. Am Mittwoch teilte IMO in einem Rundschreiben die Ergebnisse mit: Kanada: Glyphosat erleichtert die ErnteIn keiner der bei den Bio-Bauern gezogenen Proben fand sich Glyphosat, auch nicht in den beprobten Böden. „Proben, die wir von konventionellen Linsen-Lots aus den Lagersilos von Tirjaki gezogen hatten, wiesen alle Glyphosat-Rückstände von vier bis acht mg/kg auf. Diese konventionellen Linsen stammten mit großer Sicherheit aus Kanada, nicht aus der Türkei“, heißt es in dem Schreiben von IMO (alle Zitate übersetzt aus dem Englischen vom Autor). Vermutlich hätten die konventionellen kanadischen Farmer das Herbizid Glyphosat kurz vor der Ernte gesprüht, erklärt IMO-Geschäftsführerin Elisabeth Rüegg die hohen Rückstände. „Dann verdorrt das Grün , die Linsen reifen einheitlich ab und lassen sich leichter ernten.“ Tiryaki: Schlampereien bei der Lagerung„Aufgrund einer Überversorgung mit Bio-Linsen, die deshalb konventionell vermarktet wurden, gehen wir nicht von einer absichtlichen Vermischung aus“, schreibt IMO GmbH. Kanadische Glyphosat-Linsen und Bio-Linsen seien während der Lagerung unabsichtlich vermischt wurden aufgrund „fehlender Aufmerksamkeit der Lagerarbeiter und mangelnder Instandhaltung von Siloklappen“. Dies habe dazu geführt, dass Silos für Bio-Linsen nicht richtig geschlossen waren, während konventionelle Linsen eingelagert wurden. Für das Befüllen der Silos (konventionell und bio) gebe es nur eine Zentraleinheit mit einem Set an Aufzügen und Förderschnecken. Noch würden die Angestellten weiter befragt und die Lagerprozesse analysiert. Sobald die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorliegen, werden man den zuständigen Behörden einen ausführlichen Bericht vorlegen, kündigt IMO an. IMO fordert Reorganisation des BetriebsIm Gespräch mit BioHandel kritisierte Elisabeth Rüegg die Zustände bei Tiryaki in Bezug auf die Linsenlagerung als „fahrlässig“ und kündigte Konsequenzen an. Tiryaki müsse die Anlagen und Abläufe komplett reorganisieren. Die getrennte Lagerung von konventionellen und ökologischen Erzeugnisse und die Qualitätskontrolle erzeugter Ware müssten dem Stand der Technik (best practices) entsprechen. Tiryaki müsse ein entsprechendes Konzept vorlegen, das von den türkischen Behörden und IMO überprüft und nach deren Zustimmung umgesetzt werde. „IMO wird die Betriebsanlagen von Tiryaki und das Personal vor Ort inspizieren und Stress-Tests unterwerfen“, heißt es zum Schluss des Berichts. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, will IMO über eine eventuelle Aufhebung der zur Zeit bestehenden Sperrung für Linsen des Unternehmens entscheiden. Andere Produkte, die über den Tiryaki-Standort Gaziantep laufen, werden mit entsprechenden Rückstandsanalysen lotweise zum Export freigegeben. Noch bleiben offene FragenDer Zwischenbericht klärt die Ursache der Belastung auf und vermittelt den Eindruck, dass die Firma Tiryaki bestimmte Bio-Standards bisher nicht sonderlich ernst genommen hat. Offen bleibt vorerst noch, wie die hiesigen Händler mit bisher zurückgehaltenen Linsen verfahren sollen, die nach den vorliegenden Analysen frei von Glyphosat sind. Ist damit sichergestellt, dass es sich um Bio-Linsen handelt? Oder könnten sie auch mit rückstandsfreien konventionellen Linsen vermischt worden sein? IMO fand in allen konventionellen Proben bei Tiryaki Rückstände und geht deshalb nicht davon aus, dass es rückstandsfreie, konventionelle Linsen gibt. Der Zertifizierer hätte daher bei entsprechenden Analysen ohne Rückstände keine Bedenken, die Linsen freizugeben. Entscheiden müssen das jedoch die jeweiligen deutschen Kontrollstellen und zuständigen Behörden. Massive Auswirkungen dürften die IMO-Ergebnisse auf die Linsen im konventionellen Handel haben. Zumindest bei kanadischen Herkünften werden sich Glyphosat-Belastungen finden lassen, bei der die Ware in der EU aus dem Verkehr gezogen werden muss. Auch wenn nun offensichtlich wird, dass es sich um ein Problem der konventionellen Landwirtschaft handelt, hat die Bio-Branche auch einen ideellen Schaden erlitten. Nicht nur wegen der Schlampereien bei Tiryaki – immerhin ein türkischer Bio-Pionier. Die Frankfurter Rundschau, die als erstes größeres Medium den Fall aufgriff, kritisierte, dass die Bio-Branche die Verbraucher nur spät und spärlich informierte. Vor allem aber sei die bereits an Endkunden verkaufte belastete Ware nicht zurückgerufen worden. Die Branche rechtfertigte dies damit, das zwar der Grenzwert weit überschritten sei, nach Behördenaussagen aber keine Gesundheitsgefahr bestehe. „Derartige Beschwichtigungen, die sich auf formale gesetzliche Vorgaben beziehen, hört man normalerweise nach Skandalen mit konventionellen Lebensmitteln“, kommentierte die Frankfurter Rundschau. |
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