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Bio-Skandale Behörden verlangen verschärfte Kontrollen
Trügt die Idylle unter Palmen? Bio-Hersteller sollen dazu beigetragen haben, dass Palmöl-Kleinbauern ihre Existenz verlieren.Der von Report berichtete Konflikt um die Siedlung Las Pavas ist nicht neu. Bereits im September 2009 berichtete der britische Observer darüber, dass Daabon im Juli 2009 über 100 Familien von einer Ranch im Süden Kolumbiens habe vertreiben lassen. Aufgehängt wurde die Geschichte an einem populären Kunden Daabons, der Kosmetikkette Body Shop. Die Daabon Group ist ein kolumbianischer Mischkonzern, der auch ökologische Plantagenwirtschaft betreibt. Der Bio-Unternehmenszweig Daabon Organic ist seit 16 Jahren Handelspartner der deutschen Naturkostbranche und liefert nicht nur Palmöl, sondern auch Bananen, Kaffee und Kakao. In einem Nachhaltigkeitsbericht vom September 2008, den Daabon an seine Kunden verschickt hat, ist der Disput bereits beschrieben. Auf seiner Webseite berichtet Daabon über die Geschichte des Konflikts und seine Sicht der Vorgänge. Demnach seien sämtliche bisherigen Entscheidungen der Gerichte und Behörden zu Eigentumsfragen zugunsten des Konsortiums gefallen, dem eine Daabon-Tochtergesellschaft (mit 50 %) angehört. Dieses hatte das 1.200 Hektar große Gelände Anfang 2007 gekauft. Außerdem befinde man sich seit Mitte 2009 im Gespräch mit den Kleinbauern, die das Gelände für sich beansprucht hatten. Daabon hat guten Ruf in der BrancheUm auch den Kleinbauern ein festes Einkommen zu sichern, sollen nach Angaben Daabons in der geplanten Ölmühle auch deren Palmfrüchte verarbeitet werden. Ein solches Modell hat Daabon bereits im Norden Kolumbiens umgesetzt, wo das Bio-Palmöl erzeugt wird, das viele deutsche Naturkosthersteller derzeit einsetzen. Beteiligt ist dort eine Kooperative mit 450 Familien, die neben ihrem Eigenbedarf Kakao und Ölpalmen anbauen. Die Aktivitäten von Daabon in Nordkolumbien sind (neben der Öko-Zertifizierung) auch nach dem Sozialstandard SA8000 zertifiziert, ein kleiner Teil der Produktion auch nach dem Fair-Standard von Ecocert. Von alledem war in dem Sechs-Minuten-Beitrag von Report Mainz nichts zu hören. Daabon selbst kam nur mit einem Satz zu Wort: „Die Räumung sei legal, Daabon sei der rechtmäßige Eigentümer.“ Die ausführliche Stellungnahme des Unternehmens wurde unerwähnt ins Netz gestellt. Aber in der Tat ist die Geschichte – wie wohl vieles in Kolumbien – komplizierter. Die Menschenrechtsorganisation FIAN berichtet, dass das umstrittene Farmgelände von den Bauern schon von 1997 bis 2004 besetzt gewesen sei, bevor sie von rechten Paramilitärs vertrieben worden seien (was Daabon nirgends erwähnt). Die britische Organisation Christian Peacemaker Teams berichtet, wie Daabon nach der Vertreibung bestehenden Wald auf dem Gelände gerodet hat. 1.000 Protestmails an Allos Alnatura und RapunzelDie Organisation Rettet den Regenwald schreibt, sie habe bereits 2009 Naturkosthersteller auf die Vertreibung in Las Pavas aufmerksam gemacht und auch darauf, dass die Firma geschützte Ufervegetation illegal gerodet habe und die größte (konventionelle) Palmöl-Dieselraffinerie Lateinamerikas baue. Rettet den Regenwald hat mit Verweis auf Report Mainz eine Liste mit fast 600 Produkten – überwiegend aus dem Fachhandel - veröffentlicht, die Bio-Palmöl enthalten. Außerdem rief die Organisation zu einer Protestaktion auf, bei der (laut Webseite) binnen eines Tages über 1.000 Menschen Mails an Allos, Alnatura und Rapunzel geschickt haben. Rapunzel hat auf den Protest reagiert und schreibt in seiner Stellungnahme: „Unsere Rohstoffexpertin wird Anfang April den Lieferanten in Kolumbien besuchen. Dabei wird sie nicht nur das Bio-Anbaugebiet im Norden, aus dem Rapunzel sein Palmfett bezieht, inspizieren, sondern auch Las Pavas. Mit den Erkenntnissen des Besuches und den Bildern der Landvertreibung und Flächenrodung des ARD-Reports werden wir die Firma Daabon konfrontieren. Sollten sich die vom ARD-Report erhobenen Vorwürfe bezüglich Las Pavas bestätigen und die derzeit laufende Mediation der Parteien vor Ort keine konstruktive und einvernehmliche Lösung erbringen, so wird dies eindeutige Konsequenzen für die Geschäftsbeziehung mit Daabon haben.“ In der Stellungnahme von Rapunzel gegenüber Report hieß es noch zurückhaltender, man werde „bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen einfordern und überprüfen“. Allos schreibt: „Wir sind seit Kenntnis dieser Vorwürfe in intensivem Kontakt mit unserem Lieferanten zur Aufklärung der Sachlage. Aus unserer langjährigen Zusammenarbeit mit Daboon haben wir grundsätzlich keinen Grund an dem Verhalten unseres Lieferanten zu zweifeln. Daboon nimmt derzeit an einem Mediationsverfahren über den Konflikt „Las Pavas“ teil unter Leitung einer unabhängigen Nicht-Regierungsorganisation. Außerdem prüfen Gerichte den Fall. Der Vorwurf ‚Landvertreibung’ wiegt schwer, und uns berührt das von Journalisten geschilderte Schicksal der Familien. Es erfolgt eine kurzfristige Prüfung von Las Pavas über einen externen Bio-Zertifizierer vor Ort. Außerdem werden wir mit anderen deutschen Herstellern und Handelsunternehmen gemeinsam einen Audit vor Ort durchführen. Wir erwarten ein ökologisch und sozial verträgliches Verhalten unserer Geschäftspartner.“ Alnatura drängt ebenfalls auf rasche Klärung der Vorwürfe. „Auch wenn wir keine direkten Geschäftsbeziehungen zu Daabon haben, da wir das Palmöl nicht selbst einkaufen oder verarbeiten: Wir dulden keine Landvertreibungen und unfairen Arbeitsbedingungen, weder bei unseren Herstellern noch bei deren Lieferanten.“ (leo)
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