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Mit seiner Rubrik Pro und Kontra wirft BioHandel regelmäßig ein Schlaglicht auf Fragen, die die Branche bewegen. In der Novemberausgabe geht es um das Thema PET-Flaschen, die nach einer aktuellen Untersuchung Östrogene an den Flascheninhalt abgeben können. Soll man also lieber darauf verzichten? „Pro“-Anwalt ist diesmal Martin Wagner, Wissenschaftler an der Universität Frankfurt, der mit den Tests befasst war. „Kontra“ sagt Albert Reischenböck, Leiter des Qualitätsmanagements der Adelholzer Alpenquellen GmbH. -> BioHandel-Artikel (11/2009)
-> BioHandel-Artikel (11/2009)
Pro und Kontra
Im Rahmen eines vom Umweltbundesamt (UBA) geförderten Forschungsprojektes haben wir an der Frankfurter Goethe-Universität Mineralwasser auf dessen Belastung mit Umwelthormonen untersucht. Wir wussten, dass Lebensmittel mit bestimmten Umwelthormonen kontaminiert sein können. Allerdings haben wir es in der Realität nicht nur mit einer einzelnen Chemikalie, sondern mit einer Vielzahl von Umwelthormonen zu tun. Um diese Cocktaileffekte einzubeziehen, haben wir die gesamte Hormonaktivität von Mineralwasser gemessen.
Gemeinsam mit Professor Dr. Jörg Oehlmann habe ich in dem Projekt zahlreiche Mineralwassermarken auf deren Östrogenaktivität untersucht. Enthält das Wasser Umwelthormone, die wie das weibliche Sexualhormon wirken, können wir Aussagen über die hormonelle Belastung des Mineralwassers treffen. In zwölf der 20 untersuchten Mineralwassermarken konnten wir eine erhöhte Hormonaktivität nachweisen. Deren Höhe hat uns überrascht. Wir hatten nicht erwartet, eine so massive östrogene Kontamination in einem Lebensmittel vorzufinden, das strengen Kontrollen unterliegt.
Mit unseren Versuchen konnten wir belegen, dass zumindest ein Teil der Umwelthormone aus der Kunststoffverpackung stammt. Wir haben Mineralwasser aus Glas- und Plastikflaschen verglichen und konnten zeigen, dass die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen etwa doppelt so hoch ist, wie in Wasser aus Glasflaschen. Ein Grund dafür könnte das Auslaugen von Plastikadditiven, wie zum Beispiel Weichmachern, aus den PET-Flaschen sein. Noch können wir allerdings nicht abschätzen, ob die östrogene Kontamination des Mineralwassers ein gesundheitliches Risiko darstellt. Dazu müssen wir erst herausfinden, welche Chemikalien für die hormonelle Aktivität verantwortlich sind.
Fest steht aber schon jetzt, dass die Problematik der Umwelthormone nicht nur stärker in den Fokus der Wissenschaft gerückt wird, sondern auch von Politik und Behörden ernst genommen werden muss. Mündige Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Teil dazu beitragen.
Der Gesetzgeber stellt strenge Anforderungen an die Qualität von PET-Flaschen, Glasflaschen sowie der zugehörigen Verschlüsse. Diese werden von uns mit großem Sicherheitsabstand eingehalten. Ein engmaschiges Netz von Maßnahmen zur Qualitätssicherung sorgt dafür, dass wir dies jederzeit sicherstellen können.
Es gibt eine Debatte um verschiedene Stoffe, die von den Medien aufgegriffen wurden:
1. Antimon: Es wurde von Antimonspuren in Mineralwasser aus PET-Flaschen berichtet. Ebenso wie andere Lebensmittel kann auch Mineralwasser Antimon in Spuren enthalten. Grundwasser und Mineralwasser, das antimonhaltige Gesteine durchfließt, kann dabei sehr geringe Mengen dieses Stoffes aufnehmen. Antimon wird auch bei der Herstellung von PET-Flaschen verwendet. Es kann in Spuren – Bruchteile von Millionstel Gramm pro Liter – aus der Flaschenwand in das Getränk übergehen. Gesundheitlich ist Antimon in dieser Größenordnung vollkommen unbedenklich. In Europa gilt bei Trinkwasser und Mineralwasser für Antimon ein Grenzwert von 5 μg/l. Unser Mineralwasser liegt deutlich unter 1 μg/l.
2. Acetaldehyd: Diese Substanz kommt in vielen Lebensmitteln, vor allem in Obst, aber auch in Wein und Bier in deutlich höheren Mengen vor, als durch PET auf Getränke übertragen werden kann. Wie bei allen qualitätsrelevanten Parametern haben wir für unsere PET-Flaschen sehr niedrige Grenzwerte festgelegt. Somit stellen wir sicher, dass unsere Produkte durch Acetaldehyd nicht geschmacklich beeinträchtigt werden. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung ist selbstverständlich ausgeschlossen.
3. Hormone: Wir haben unsere Produkte in unseren PET-Mehrwegflaschen, in PET-Einwegflaschen und Glasmehrwegflaschen bei dem bekannten Institut SGS-Fresenius untersuchen lassen. Alle Untersuchungen waren ohne Befund. Das bedeutet, es waren keine Hormone oder hormonähnliche Substanzen in unseren Produkten nachweisbar.
Albert Reischenböck ist Leiter des Qualitätsmanagements der Adelholzener Alpenquellen GmbH
„Für eine Verdammung der PET-Flaschen ist es eindeutig zu früh“ Mineralwasser eignet sich auf den ersten Blick anscheinend hervorragend als „Aufregerthema“. Schlagworte wie „Hormone“, „Uran“ oder andere bewegen die Menschen. Allerdings sind die Sachverhalte äußerst kompliziert und auch die „Pro“- und „Kontra“-Darstellungen in der Novemberausgabe des Biohandel trugen nur begrenzt zur Aufklärung bei. Wenn ich die bei Springer online publizierte wissenschaftliche Veröffentlichung der Frankfurter Universität richtig gelesen habe, wurde mit äußerst aufwändigen, mehrere Monate dauernden Untersuchungen ein Forschungsprojekt zur Prüfung der östrogenen Aktivität in Mineralwasserproben durchgeführt. Das Ergebnis zeigte, dass die hormonelle Aktivität in Mineralwasser, das in PET-Flaschen abgefüllt wurde, tendenziell höher war als bei Glasabfüllungen. Allerdings zeigten auch einzelne in Glas abgefüllte Wässer solche Aktivität. Die Frankfurter Befunde sind sehr interessant, jedoch angesichts der im Wasserkreislauf längst angekommenen Umweltverschmutzung nicht überraschend. Nicht zuletzt ist eine seit Jahrzehnten laufende Ausbringung von Hormonen via Anti-Baby-Pille längst im Oberflächen- und im Trinkwasser, allerdings noch nicht in Mineralwasser, angekommen. Jedoch sind die lediglich 20 Proben von 14 verschiedenen Mineralwässern in der Frankfurter Untersuchung nicht mehr als ein erstes Indiz. Sehr interessant wären entsprechende vergleichende Untersuchungen in Trinkwässern gewesen und in damit hergestellten Lebensmitteln. Ich befürchte, dass hier noch eine Menge Überraschungen warten. Durch die schnelle Veröffentlichung der Frankfurter Untersuchungen hatten zahlreiche Mineralbrunnen ihre Mineralwässer „auf Hormone“ untersuchen lassen. Alle Untersuchungen ergaben keine Befunde, die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Die Untersuchungen allerdings waren ein Witz, denn die Frankfurter haben nicht Hormone in Mineralwasser analysiert, sondern mit lebenden Organismen (Hefezellen und Schnecken) hormonelle Aktivitäten nachgewiesen, die aus einer Vielzahl möglicher chemischer Ursachen herrühren können. Beides ist nicht dasselbe! Die Untersuchungen waren wissenschaftliche Basisarbeit. Hierzu gibt es noch überhaupt keine standardisierten Laboruntersuchungen. Deshalb kann sich kein Naturkosthändler oder Endverbraucher auf irgendwelche vorgelegten Nachweise „ohne Befund“ verlassen. Auf der anderen Seite zeigten aber auch Mineralwässer in PET sehr geringe oder gar keine hormonellen Aktivitäten. Dagegen gab es einige wenige Wässer in Glasflaschen mit entsprechenden Nachweisen. Lag es an den Verschlüssen? Lag es am Wasser? Lag es an einem bestimmten PET-Material? Niemand weiß das bis jetzt. Für eine Verdammung der PET-Flaschen ist es eindeutig zu früh. Der Untersuchungsumfang der Frankfurter Studie war zu gering, um wirklich belastbare Aussagen machen zu können. Jedenfalls zeigt das Ergebnis, dass eine genaue, ganzheitliche und für den Biokonsumenten sichere Beurteilung und Zertifizierung von Mineralwässern überfällig ist. Zusammen mit der Gegnerschaft eines Teils der Mineralbrunnenbranche ist das ein weiterer Beleg für die Richtigkeit der Initiative „Biomineralwasser“ der Neumarkter Lammsbräu. Von der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser wurde ein umfassendes Qualitätskonzept etabliert, um dem Konsumenten aktuelle Sicherheit auf höchstem fachlichen Niveau zu bieten. Sie wird dabei auch das Thema hormoneller Aktivität genau im Auge behalten. Überfällig ist der dringende Aufruf, alles zu tun, um die Ausbringung gefährlicher Chemikalien in unsere Umwelt mit allen Mitteln zu reduzieren. Denn dem globalen Wasserkreislauf entkommt nichts, alles kommt irgendwann im Wasser an und irgendwann eben auch in uns selbst. Manfred Mödinger, Leiter des Qualitätsausschusses der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V.
Mineralwasser eignet sich auf den ersten Blick anscheinend hervorragend als „Aufregerthema“. Schlagworte wie „Hormone“, „Uran“ oder andere bewegen die Menschen. Allerdings sind die Sachverhalte äußerst kompliziert und auch die „Pro“- und „Kontra“-Darstellungen in der Novemberausgabe des Biohandel trugen nur begrenzt zur Aufklärung bei.
Wenn ich die bei Springer online publizierte wissenschaftliche Veröffentlichung der Frankfurter Universität richtig gelesen habe, wurde mit äußerst aufwändigen, mehrere Monate dauernden Untersuchungen ein Forschungsprojekt zur Prüfung der östrogenen Aktivität in Mineralwasserproben durchgeführt. Das Ergebnis zeigte, dass die hormonelle Aktivität in Mineralwasser, das in PET-Flaschen abgefüllt wurde, tendenziell höher war als bei Glasabfüllungen. Allerdings zeigten auch einzelne in Glas abgefüllte Wässer solche Aktivität.
Die Frankfurter Befunde sind sehr interessant, jedoch angesichts der im Wasserkreislauf längst angekommenen Umweltverschmutzung nicht überraschend. Nicht zuletzt ist eine seit Jahrzehnten laufende Ausbringung von Hormonen via Anti-Baby-Pille längst im Oberflächen- und im Trinkwasser, allerdings noch nicht in Mineralwasser, angekommen. Jedoch sind die lediglich 20 Proben von 14 verschiedenen Mineralwässern in der Frankfurter Untersuchung nicht mehr als ein erstes Indiz. Sehr interessant wären entsprechende vergleichende Untersuchungen in Trinkwässern gewesen und in damit hergestellten Lebensmitteln. Ich befürchte, dass hier noch eine Menge Überraschungen warten.
Durch die schnelle Veröffentlichung der Frankfurter Untersuchungen hatten zahlreiche Mineralbrunnen ihre Mineralwässer „auf Hormone“ untersuchen lassen. Alle Untersuchungen ergaben keine Befunde, die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Die Untersuchungen allerdings waren ein Witz, denn die Frankfurter haben nicht Hormone in Mineralwasser analysiert, sondern mit lebenden Organismen (Hefezellen und Schnecken) hormonelle Aktivitäten nachgewiesen, die aus einer Vielzahl möglicher chemischer Ursachen herrühren können. Beides ist nicht dasselbe!
Die Untersuchungen waren wissenschaftliche Basisarbeit. Hierzu gibt es noch überhaupt keine standardisierten Laboruntersuchungen. Deshalb kann sich kein Naturkosthändler oder Endverbraucher auf irgendwelche vorgelegten Nachweise „ohne Befund“ verlassen.
Auf der anderen Seite zeigten aber auch Mineralwässer in PET sehr geringe oder gar keine hormonellen Aktivitäten. Dagegen gab es einige wenige Wässer in Glasflaschen mit entsprechenden Nachweisen. Lag es an den Verschlüssen? Lag es am Wasser? Lag es an einem bestimmten PET-Material? Niemand weiß das bis jetzt. Für eine Verdammung der PET-Flaschen ist es eindeutig zu früh. Der Untersuchungsumfang der Frankfurter Studie war zu gering, um wirklich belastbare Aussagen machen zu können.
Jedenfalls zeigt das Ergebnis, dass eine genaue, ganzheitliche und für den Biokonsumenten sichere Beurteilung und Zertifizierung von Mineralwässern überfällig ist. Zusammen mit der Gegnerschaft eines Teils der Mineralbrunnenbranche ist das ein weiterer Beleg für die Richtigkeit der Initiative „Biomineralwasser“ der Neumarkter Lammsbräu. Von der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser wurde ein umfassendes Qualitätskonzept etabliert, um dem Konsumenten aktuelle Sicherheit auf höchstem fachlichen Niveau zu bieten. Sie wird dabei auch das Thema hormoneller Aktivität genau im Auge behalten.
Überfällig ist der dringende Aufruf, alles zu tun, um die Ausbringung gefährlicher Chemikalien in unsere Umwelt mit allen Mitteln zu reduzieren. Denn dem globalen Wasserkreislauf entkommt nichts, alles kommt irgendwann im Wasser an und irgendwann eben auch in uns selbst.
Manfred Mödinger, Leiter des Qualitätsausschusses der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V.