Neben der zentralen Auslieferung über Töpen sieht die Zusammenarbeit vor, dass die laut Dennree „aktuell gut 200“ BioMarkt-Verbundpartner rund 200 Rapunzel-Produkte in ihr Grundsortiment aufnehmen. Für Rapunzel bedeutet das eine deutliche Zunahme der Regalfläche in den Läden, die bisher nicht aktiv Rapunzel verkauft haben. Zudem sollen „Rapunzel-Produkte zukünftig in jedem Handzettel des BioMarkt-Verbundes beworben werden“. Entsprechend müssten auch BioMarkt-Läden, die nicht dem Verbund angehören, die in den BioMarkt-Flyern beworbenen Rapunzel-Produkte in Aktion nehmen. In seinem Kunden-Info RapunzelAktuell schreibt der Hersteller dazu: „Allen Teilnehmern des Handzettels, welche die Rapunzel-Produkte weiterhin direkt über Legau beziehen, sichern wir selbstverständlich den gleichen Angebotspreis wie den Beziehern über Dennree zu.“
Stellungnahmen:
„Erwarte, dass ich als guter Rapunzel-Kunde gleichgestellt werde“
Zunächst einmal bin ich verwundert. Aber Rapunzel ist ja immer für eine Überraschung gut. Rapunzel über Dennree ist für mich kein Grund, jetzt Mitglied im BioMarkt-Verbund von Dennree zu werden, einem Großhändler, der schon 33 eigene Filialen hat und sein Filialnetz ja sehr schnell ausweitet und somit Wettbewerber zu mir ist. Eine raffinierte Art, Händler zu binden. Entsteht hier eine Zweiklassengesellschaft der Naturkosthändler?
Natürlich ist es zunächst eine freie Entscheidung, Mitglied eines solchen Verbundes zu werden. Doch wenn man sich den Weg von Dennree ansieht, wird gerne von „oben“ bestimmt, was „unten“ zu geschehen hat. Es ist mir wichtig, auch in Zukunft mein Sortiment in meinem Laden selbst zu gestalten, ohne den Vorschriften des Großhändlers folgen zu müssen. Ich bin einmal als Händler angetreten, meinen Ladnerweg in größtmöglicher Freiheit zu gehen. Ich bin Händler aus Leidenschaft und will nicht eines Tages einer der vielen Filialleiter von Dennree sein.
Von Rapunzel erwarte ich, dass ich als guter Kunde gleichgestellt werde, ohne gezwungen zu sein, Mitglied im BioMarkt-Verbund von Dennree sein zu müssen. Ich will einen Großhändler, mit dem ich auf Augenhöhe bin. Mein Großhändler Weiling bietet mir meine gewünschte Freiheit und stellt mir auf Wunsch seine ganze, in der Branche ja anerkannte Professionalität und Kreativität zur Verfügung. Dieser Großhändler gibt mir Empfehlungen, aber macht keine Vorgaben als Bedingung für bestimmte Konditionen. So bleibe ich ein freier und erfolgreicher Naturkosthändler und das schon seit 25 Jahren.
Vielleicht finden ja auch Rapunzel und Weiling einen neuen Weg der Zusammenarbeit. Wenn ich den Fachhandelsgedanken nehme, könnte ich mir sehr gut vorstellen, Rapunzel über Weiling zu beziehen. Eigentlich passen diese beiden sehr gut zusammen. Das sehen sicher Hunderte von selbstständigen Kollegen auch so.
Felix Matterne
Bio Supermarkt Vital
Aachen
„Dennree bleibt Rotes Tuch“
Ich kann Herrn Matterne voll und ganz zustimmen, auch wir sind
sehr zufrieden mit useren Großhändlern (Ökoring und Bodan). Dennree ist
und bleibt ein Rotes Tuch für uns, auch wenn nun ein bisschen
Schafspelz mit Rapunzel dazukommt.
Mayer Paul
Landkaufhaus Mayer
Siegsdorf
„Unzuverlässiger Handelspartner“
Dass Rapunzel jetzt über Dennree ausgeliefert
wird, finde ich ja den Hammer schlechthin. Als wir noch Rapunzel handelten,
dachten wir doch, es gäbe ein gemeinsames Interesse, Naturkost
weiter zu verbreiten und dazu gute Qualitäten anbieten zu
können. Nachdem Rapunzel zweimal unseren Großhändler
durch Kündigung von einer Zusammenarbeit ausschloss, das
erste Mal um Dennree beliefern zu können, das zweite
Mal, um von Dennree wieder wegzukommen, haben wir uns
entschieden, auf derartige unzuverlässige Handelspartner
zu verzichten, auch wenn wir sehr bedauern, nun die gute Rapunzel-Qualität
nicht mehr anbieten zu können. Naturkost macht für
uns mehr aus, als nur miteinander zu handeln, es kommt auch auf
das „Wie“ an.
Michael Beck
Kornblume Naturkost
Wolfenbüttel
„Sinnvolle Kooperation“
Wenn dies der Auftakt ist, dem Billig-Bio ein Qualitäts-Bio
mit Inhalt entgegenzustellen und dies mit einer guten und ökologisch
sinnvollen Logistik, dann Gratulation. Ich hätte nicht geglaubt,
dass die Reaktion auf den massiven Bio-LEH-Eintritt so schnell
kommt.
Aus meiner Sicht hat Bio nur Zukunft, wenn es mit zutreffenden
Inhalten verknüpft ist, die gut kommuniziert werden. Vielleicht
lässt sich die Idee noch vertiefen. Eine Partner konzentriert
sich auf das Frischsortiment und Logistik und der andere auf
das Trockensortiment und die Herstellung der Markenprodukte.
Mit dieser Lösung besteht die Chance, dass man dem LEH-Bio
eine attraktive Alternative gegenüberstellt.
Leut halts zamm, sonsts schadets nur dem Feind. Der aus der
Gründerzeit
auf vielen Packungen stehende Spruch hat nichts an der Aktualität
eingebüßt.
Ralph Weishaupt
info@ralph-weishaupt.de
„Ungleicher Wettbewerb“
Josef Wilhelm wandelt auf Abwegen. Als Rapunzel-Partner
wünsche ich mir mehr Konsequenz im Umgang mit den Partnerläden.
Wer sich voll und ganz hinter die Marke Rapunzel gestellt
und auch die Umstellung auf Direktbelieferung als dicken Brocken
geschluckt hat, sieht sich jetzt einem ungleichen Wettbewerb
ausgesetzt: Ein Denn´s kann die Ware mit der täglichen
Gesamtbestellung mitordern. Ein Kunde eines anderen Großhandels
muss Rapunzel gesondert bestellen und hat mehr Aufwand.
Was bitte soll das? Konsequentes Handeln wäre, endlich wieder
den Großhandel als Gesamtheit zu beliefern und sein Augenmerk
auf den Gesamtnutzen aller beteiligten Partner zu legen. Wir
hoffen auf weitere Wandlungen.
Reinhard Gromotka
Tagwerk BioMarkt
Landshut
Offener Brief an Rapunzel
Lieber Joseph Wilhelm und lieber Thies Curschmann,
die Zusammenarbeit und Belieferung über Dennree ist ja nun mal von Ihnen beschlossene Sache, auch wenn sicher viele Naturkosteinzelhändler Ihrer Argumentation nicht folgen können. Aber Fragen kann man dazu ja wohl stellen, oder? Und vielleicht bekommen wir ja auch plausible oder - was noch wichtiger wäre - ehrliche Antworten?!?
Was wollen Sie damit bezwecken? Zum einen wollen Sie ja nicht jeden Dennree-Kunden via Dennree zukünftig zu Sonderkonditionen beliefern, sondern nur „Auserwählte“, d.h. die Mitglieder des BioMarkt-Verbundes, die Denn's-Fachmärkte und Ihre eigenen Partnerläden. Ist daraus nun zu schließen, dass Sie diese unterschiedlichen Konzeptionen-Mitglieder des BioMarkt-Verbundes, die Denn's-Fachmärkte und Ihre eigenen Partnerläden: a) als gleichwertig, b) als zeitgemäß und c) als fair betrachten ?
Wenn ich Ihre Ausführungen in rapunzel aktuell 02/09 mal etwas interpretiere, sehen Sie die richtige Strategie darin, dass sich die Naturkosteinzelhändler zu BioMarkt-Verbünden zusammenschließen - vielleicht auch noch in exklusiver Anbindung an einen bestimmten Großhändler-, um die „besten“ Konditionen bei Ihnen zu bekommen? Und wenn ich diese Gedanken mal weiter fasse, müsste das bedeuten, wenn z.B. der Großhändler Weiling ein ähnliches Konzept wie Dennree verfolgen würde, dass dann Rapunzel selbstverständlich auch an die entsprechenden Läden mit den o.g. Sonderkonditionen über Weiling liefern würde. Aber eine ganz „normale“ Belieferung über Weiling (oder andere) scheint gegenwärtig ausgeschlossen zu sein, da ja dann wieder Rapunzel das Marketing der jeweiligen Großhändler mitfinanzieren würde, ohne selbst entsprechend etwas davon zu haben. Das war schließlich damals ein Teil der Begründung für den Abzug des Rapunzel-Sortimentes aus der Großhandelslistung.
So werden also kleine Läden wie wir weiterhin auf die Rapunzel-Direktbelieferung angewiesen sein, was viel zusätzlichen Arbeitsaufwand, viel unnötigen Verpackungsmüll, aber auch ein paar zusätzliche Arbeitsplätze in Legau bedeutet. Irgendwann werden dann wahrscheinlich auch die Aktionsangebote für KundInnen wie uns zusammengestrichen, und letztendlich wird mittels Anhebung des Mindestbestellwertes und/oder anderer Marketingtricks die Spreu vom Weizen getrennt.
Falls dem so ist bzw. so die Zukunft aussieht, ergibt sich zumindest für mich ein neues = verändertes Bild hinsichtlich Ihrer Ideale und Firmenphilosophie! Ich bin mir sicher, dass viele KollegInnen von mir ähnliche, wie auch andere Fragen haben. Deshalb werde ich diese Mail auch in biohandel.online als Leserbrief einstellen.
Mit der Bitte um baldige Beantwortung möchte ich schließen, und wünsche uns allen fruchtbare Gedanken und Impulse für die Zukunft unserer Naturkostbranche, Ihr
Ulrich K. Warntjen
morgentau@netcologne.de
Too big to fail?
Da kommt Rapunzel an der Marktmacht von Dennree wohl nicht vorbei. Der bei Rapunzel spürbare Druck zum Umsatzwachstum bewirkt einen Opportunismus, der nichts mit „Leut halts zamm“ zu tun hat. Schade, dass die Regionalgroßhändler sich nicht an einen Tisch setzen und 1.000 Läden ins Spiel bringen. Tägliche Belieferung ist immer noch ein unschlagbarer Vorteil für die Regionalgroßhändler. Rapunzel ist in seinen Entscheidungen ein weiteres Mal sehr undurchschaubar und unzuverlässig.
Gerhard Mensch
gerhard.mensch@gmx.net
„Wo steht Rapunzel heute?“
Als Rapunzel seinerzeit aus der Belieferung über die Regionalgroßhändler ausstieg, konnte auch Joseph Wilhelm den Eindruck, dass seine Firma mit dem Rücken an der Wand steht, nicht wirklich verschleiern. Wo steht Rapunzel heute?
Die Belieferung über die Spedition war aus unserer Sicht nahezu jedes Mal in irgend einer Form mangelhaft (Lieferzeiten, Verpackung, Anlieferung etc.). Ist Rapunzel heute in einer besseren Position als 2003 oder sucht sich ein (wieder?) schwächelnder Hersteller diesen Partner, um die eigene Schwäche zu verschleiern?
In der Rezension offenbaren sich die Schwächen - solange es nur „aufwärts“ geht meistens nicht!
Michael Weiler
Dorfladen@Tennental.de