- | + Biohandel   3/2008

BioHandel  

aktuell - Schrot&Korn-Leserwahl

Bessere Noten trotz neuer Wettbewerber

Die Leser von Schrot&Korn haben ihre Einkaufsstätten im Naturkostfachhandel im Durchschnitt besser beurteilt als im Vorjahr. Und das, obwohl sie immer mehr Vergleichsmöglichkeiten durch das wachsende Bio-Angebot im LEH haben. Vielleicht fielen die Noten gerade wegen der Vergleichsmöglichkeiten besser aus.

Bester NaturkostladenDa nach landläufiger Meinung der LEH alles besser kann, war prognostiziert worden, dass er auch „Bio” kundengerechter anbietet und damit zur bevorzugten Einkaufsstätte für Naturkost wird. Besonders bei der Frische waren wegen normalerweise hoher Umschlagzahlen im LEH und in den Discountern deutliche Qualitätsunterschiede zum Fachhandel erwartet worden. Das ist aus Sicht der Schrot&Korn-Leser jedoch nicht der Fall: Bio-Supermärkte, Naturkostfachgeschäfte und Hofläden wurden im Frischebereich sogar besser beurteilt als im Jahr 2006. Bioläden konnten ihre gute Note von 1,44 halten (siehe Tabelle Seite 28).

Die insgesamt gute Beurteilung erhält auch vor dem Hintergrund, dass neue Kunden in die Naturkostläden gekommen sind, einen besonderen Stellenwert. Wer „Bio” im LEH kennen gelernt hat und nun erstmals die Schwelle zu einem Bioladen überschritten hatte, war offenbar eher angetan als abgeschreckt. Jedenfalls lassen die Noten nicht darauf schließen, dass mit dem Eintritt neuer Kunden die Leistungen der Läden im Durchschnitt schlechter beurteilt werden. Das gilt gerade für die Bio-Supermärkte, die wegen des vergleichbaren Verkaufskonzepts vermutlich zuerst von Neukunden besucht werden.

Preis-/Leistungsverhältnis bleibt gut

Ein weiteres, aber leichter erklärbares Phänomen ist die anhaltend gute Beurteilung des Preis-/Leistungsverhältnisses. Auch hier war bei stärkerem Engagement des LEH für „Bio” mit schlechteren Noten in den Naturkostläden gerechnet worden. Diese Erwartung stützte sich im Wesentlichen auf die Annahme, dass der LEH Naturkost deutlich billiger anbieten würde. Das ist aber nicht die Regel, teilweise liegen die Preise für Bio-Produkte im konventionellen Handel sogar höher als im Fachhandel. Das gilt auch für Artikel des täglichen Bedarfs.

Vielleicht hat „Bio” im LEH einen entscheidenden Vorteil für die Naturkostläden gebracht: Kunden vergleichen die Preise von Naturkostprodukten nicht mehr mit denen konventioneller Artikel, sondern mit Bio-Ware aus dem LEH. Und dabei kommen sie eben zu dem Schluss, dass Bioläden gar nicht so teuer sind. Besser hätte man das Apotheken-Image der Naturkostläden nicht vom Tisch kriegen können. Individuelle Anmerkungen auf den Wahlkarten lassen aber auch darauf schließen, dass besonders bei den kleinen Läden der (höhere) Preis im Verhältnis zur erbrachten (höheren) Leistung als gerechtfertigt angesehen wird.

Durch die neuen Wettbewerber, deren Mitarbeiter sich meist noch nicht so recht mit „Bio” auskennen, steht sicher auch das Fachhandelspersonal im Vergleich gut da. Zumindest gab es für die Beschäftigten in allen Kategorien des Fachhandels bessere Noten als im Jahr 2006. Die Anstrengungen der Läden, beim Umgang mit Kunden professioneller zu werden, zahlen sich offenbar aus.

Leserwahl nur alle zwei Jahre?

Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass erneut weniger Kunden an der Leserwahl teilgenommen haben. Die Frage nach einem anderen Turnus stellt sich. Bei einer Schrot&Korn-Blitzumfrage plädierte eine knappe Mehrheit der Läden (meist die größeren) für die Beibehaltung der jährlichen Leserwahl. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen für die nachlassende Beteiligung? Schreiben Sie uns oder äußern Sie Ihre Meinung im Sonderforum Leserwahl unter www.biohandel-online.de

So haben Schrot&Korn-Leser ihre Naturkostfachgeschäfte im Einzelnen benotet:
  2007 2006 2005 2004
Beteiligte Leser 36200 38866 41769 29900
 
Bioläden (bis 100 m2)
Gesamteindruck 1,37 1,42 1,42 1,37*
Sortiment 1,65 1,70 1,69 1,57*
Frische 1,44 1,44 1,58 1,47*
Sauberkeit 1,27 1,31 1,29 1,28*
Beratung 1,28 1,32 1,34 1,26*
Personal 1,18 1,19 1,19 1,16*
Preis/Leistung 1,71 1,79 1,79
 
Naturkost-Fachgeschäfte (100 bis 300 m2)**
Gesamteindruck 1,44 1,46 1,47 1,44
Sortiment 1,63 1,63 1,65 1,56
Frische 1,54 1,56 1,67 1,57
Sauberkeit 1,32 1,34 1,34 1,34
Beratung 1,48 1,50 1,47 1,38
Personal 1,31 1,33 1,32 1,28
Preis/Leistung 1,90 1,94 1,95
 
Biosupermärkte (über 300 m2)**
Gesamteindruck 1,46 1,51 1,51 1,53
Sortiment 1,52 1,53 1,53 1,49
Frische 1,57 1,67 1,64 1,62
Sauberkeit 1,35 1,40 1,37 1,43
Beratung 1,75 1,84 1,79 1,70
Personal 1,47 1,54 1,50 1,50
Preis/Leistung 1,99 2,05 2,04
 
Biohofläden
Gesamteindruck 1,30 1,34 1,36
Sortiment 1,60 1,65 1,60
Frische 1,28 1,32 1,37
Sauberkeit 1,26 1,31 1,33
Beratung 1,34 1,37 1,40
Personal 1,15 1,19 1,20
Preis/Leistung 1,72 1,76 1,76
Was Läden besser machen können

Diesmal nahmen über 28.000 Leserinnen und Leser von Schrot&Korn die Gelegenheit wahr, individuelle Anmerkungen auf die Stimmkarten zu schreiben. Hier eine kleine Auswahl von Verbesserungsvorschlägen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Laden davon profitieren kann:

  • Backwaren werden z.T. kommentarlos verkauft, obwohl sie mehrere Tage alt sind - nicht akzeptabel bei Brötchen.
  • Die Schaufenster sollten häufiger geputzt werden. Das macht einen schlechten Eindruck. Wenn die Dekoration abwechselungsreicher wäre, würde es sicher auch mehr Menschen anziehen.
  • Das Personal an der Obst- und Gemüseabteilung könnte besser geschult sein, von Bio keine Ahnung, Schrot&Korn müsste Pflichtlektüre sein.
  • Das Nachfüllen der Waren - die Leere wird manchmal tagelang nicht bemerkt.
  • Finger nicht mit der Zunge befeuchten, um ein Einwickelpapier wegnehmen zu können - igitt, igitt, Nicht mit den bloßen Händen Semmeln in Tüte oder mit Fingern nachhelfen, z.B. bei Wurst oder so...(...und vorher auch noch Finger mit Zunge befeuchtet).
  • Freundlichkeit der Inhaber!! Weder der Inhaber noch seine Frau/Lebensgefährtin grüßen. Nicht im Laden und nicht außerhalb (nicht mal Stammkunden). Man schaut lieber in den Boden oder räumt ganz intensiv Regale ein.
  • Wenn man fast abgelaufenes Fleisch (einen Tag nach Samstag) nachfragt, ob es ermäßigt wird, wurde geantwortet, "ne, das geht Montag an den Hersteller." 1. Unfreundlich, 2. Wofür ist dieses Hähnchen gestorben? Um als Gammelfleisch zu enden?
  • Unhygienisches Personal: bauch- und nabelfrei.
  • Wenn Wünsche geäußert werden, keine bösen Blicke zum Kunden. Zum Kaffee anstatt frische Milch Kaffeesahne, da es Menschen mit Milchunverträglichkeiten gibt.
  • Das Personal könnte sich besser über die eigenen Preise und Sonderangebote informieren.
  • Diesen Laden kann man nicht betreten, ohne dass man hört, wie die Angestellten schlecht untereinander reden! Und auch wenn Kunden in der Nähe sind, stört sie das gar nicht.
  • Teilweise ist Obst/Gemüse abends aus, z.B. bekomme ich nach der Arbeit kaum Beeren, und wenn doch ein Schälchen da ist, dann sind sie meist matschig, es gibt eine tolle Honig-Probierbar, aber fast immer sind die Löffel aus.
  • Ware (z.B. Gemüse) die nicht mehr ansehlich ist, sollte nicht zum halben Preis verkauft, sondern z.B. an den Tafelladen oder die Kunden verschenkt werden.

Erfreulicherweise war die Mehrzahl der an Schrot&Korn eingesamten Antworten positiv.

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