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Bio-Kaviar Fragwürdige Zertifizierung
In seinen Flyern schreibt der Fischmäster: „Zertifizierte Bio-Qualität: Caviar Creator produziert streng nach ökologischen Grundsätzen, ohne chemische oder hormonelle Zusätze (im Futter oder im Wasser) und ohne Genmanipulation. Die Besatzdichte in den Aquakulturanlagen entspricht den Kriterien einer artgerechten Tierhaltung. Caviar Creator wurde 2007 vom Anbauverband ‚oekovm’ zertifiziert.“ Wer ist der Anbauverband „Oekovm“? Oekovm steht für Öko Vereinigung Mitteldeutschland e.V. Der erst Ende 2005 gegründete Verein bezeichnet sich auf seiner Internetseite als „Zusammenschluss von Anbietern in der Bio-Branche, angefangen von Erzeugern, Verarbeitern bis zu Händlern, Gastronomen und Interessenten.“ Die Satzung definiert als Vereinszweck: „Der Verein dient der Förderung und Ausweitung der Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen der ökologischen Landwirtschaft in Mitteldeutschland.“ Die Mitgliederliste im Internet weist 43 Mitglieder aus, knapp die Hälfte davon Öko-Bauern. Die anderen sind Metzgereien, Bioläden, Gaststätten, Imker und Verarbeiter. Einer dieser als Mitglieder aufgeführten Öko-Betriebe ist Caviar Creator. Im Mitgliederverzeichnis heißt es: „Alle Mitgliedsunternehmensind nach EG-Öko-Verordnung zertifiziert. Die Zertifizierung wurde durchgeführt von DE-032 ÖKO-Kontrollstelle.“ Doch Caviar Creator findet sich nicht unter den 271 aktuellen Zertifikaten der „Kontrollstelle für ökologischen Landbau GmbH“. Verband zertifiziert Mitglied selbst In der Bio-Branche ist es üblich, dass staatlich zugelassene Kontrollstellen die Einhaltung von Verbandsrichtlinien kontrollieren. Auf Nachfrage von BioHandel erklärte Karsten Fontana, Vorsitzender der Oekovm, der Verband habe selbst die Richtlinien für Fischzucht in geschlossenen Anlagen entwickelt und die Zuchtanlage der Caviar Creator im mecklenburgischen Demmin kontrolliert. Die „Richtlinien zur Haltung von Öko-Stör“ sind eineinhalb Seiten lang und wurden vom Vorstand der Oekovm am 8. März 2007 beschlossen. Richtlinien: Dichtes Getümmel im Folienbecken Haltungsbedingungen: Festgelegt sind Trinkwasserqualität, Temperatur und Sauerstoffgehalt. Einzige Vorschrift zur artgerechten Ausgestaltung der Becken: Sie müssen vollständig mit Folie ausgeschlagen sein. Auf die Frage, ob das artgerecht sei, erklärte Bruno Neurath-Wilson, der Pressesprecher von Caviar Creator: „Wir frönen nicht einem natur-romantischen Begriff, bei dem Fisch nur dann "Bio" sein darf, wenn er aus einer Teichanlage kommt. (...) Ich bin sicher, dass ein Zuchtbecken, dass mit einwandfreien, lebensmitteltechnisch unbedenklichen Folien ausgelegt ist und in dem die Fische in absolut sauberem Wasser schwimmen, auch bei kritischen Verbrauchern Akzeptanz finden wird.“ Die Besatzdichte ist mit 70 Kilogramm Fisch je Kubikmeter (kg/m3) festgelegt. Üblich sind in der Bio-Aquakultur 10 kg/m3. Das Futter muss von der Oekovm zugelassen sein. Die Getreidebestandteile müssen komplett aus Öko-Landbau stammen, die Eiweißbestandteile „aus Fischmehl aus Meeresfang“ sowie aus maximal 10 Prozent konventionellen Zusatzstoffen wie Blutmehl. Sonstige Zusatzstoffe müssen ebenfalls aus Öko-Landbau stammen. Ausgeschlossen sind Geschmacksverstärker, Emulgatoren, Farbstoffe und Medikamente zur Wachstumsförderung. Ein Mindestanteil Getreide ist nicht vorgeschrieben. Die Formulierung erlaubt den Einsatz von Fischmehl aus bestandsgefährdendem Fang von Industriefischen. Umstellungszeit: Acht Monate nach Einhaltung der Richtlinien darf die Ware als „Bio nach Oekovm“ verkauft werden. Die Störweibchen werden nach vier Jahren geschlechtsreif und können erst dann geschlachtet werden, die Männchen bereits ab einem Alter von zwei Jahren. In der Öko-Tierhaltung ist es üblich, dass ein Tier mindestens zwei Drittel seines Lebens unter Öko-Bedingungen und mit Öko-Futter verbracht haben muss, damit es die Bezeichnung „Bio“ tragen darf. Bisher hat keiner der Anbauverbände, die sich seit Jahren mit Öko-Aquakultur befassen, eine geschlossene Kreislaufanlage wie bei Caviar Creator zertifiziert. Stefan Bergleiter, Bio-Fisch-Experte beim Anbauverband Naturland, hat schon Anfragen von Betreibern solcher Aquakulturen gehabt. Für die Entwicklung entsprechender Richtlinien sieht er „drei große Fragezeichen: Die tiergerechte Haltung, die Energiebilanz der Anlagen und die Stoffkreisläufe.“ Bei der tiergerechten Haltung spiele nicht nur die Besatzdichte eine Rolle, sondern auch, dass die Tiere typische Verhaltensweisen ausleben könnten. Beim Stör zähle dazu das Gründeln, also das Graben im Boden nach Nahrung. Beim Stoffkreislauf sei ein wesentliches Manko der meisten Anlagen, dass die mit den Fäkalien der Tiere ausgeschiedenen Nährstoffe nicht genutzt würden, sondern in die Kläranlage kämen. Seriöse Bio-Fisch-Anbieter fragen sich, ob diese Richtlinien tatsächlich der Verbrauchererwartung von „Bio-Fisch“ auch nur annähernd gerecht werden. Oder ob es sich um eine wettbewerbsrechtlich relevante Verbrauchertäuschung handelt. Schon vor einigen Jahren versuchte Caviar Creator, seine Produkte mit einem selbstgestrickten Bio-Logo zu vermarkten und musste es zurückziehen. (leo)
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