| An die
Messe Nürnberg
Leitung BioFach
Seehofer ausladen!
Sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Ihrer Verlautbarungen lese ich: „Minister
Seehofer wird die von Renate Künast begründete Tradition
fortsetzen und die BioFach … eröffnen.“
Vermutlich sind Sie als Messeleitung auch noch stolz darauf.
Die Pflege von Traditionen hat allerdings nur dann einen
Sinn, wenn nicht nur Äußerlichkeiten, sondern auch
Inhalte be- und geachtet werden.
Die Inhalte, die Frau Künast bezüglich der ökologischen
Wirtschaftsweise vertreten und gefördert hat, werden
durch den bayerischen Schaumschläger Seehofer konterkariert.
Dass er den ökologischen Landbau definitiv nicht fördern
will, hat er – sicher auch zur großen Freude seiner
Freunde im Bauernverband – schon mehr als einmal öffentlich
verkündet.
Indem Sie es diesem Büttel der umweltschädlichen
Landwirtschaft und der Gentechnik ermöglichen, sich anlässlich
der Eröffnung der „Weltleitmesse BioFach“
publikumswirksam ein ökologisches Mäntelchen umzuhängen,
beleidigen Sie Ihre Aussteller (also Kunden!), von denen viele
ihre Erfolge trotz, aber ganz sicher nicht wegen
der Seehofers dieser Welt erzielt haben.
Wenn Ihnen also außer den jährlich steigenden
Aussteller-, Besucher- (und damit Umsatz)zahlen auch die Beweggründe
und Inhalte dieser Menschen wichtig sein sollten, zeigen Sie
doch einmal Rückgrat, laden Herrn Seehofer aus und lassen
eine geeignetere, weil glaubwürdige Persönlichkeit
die Messe eröffnen…
Die Öffentlichkeitswirksamkeit, um die es Ihnen verständlicherweise
geht, dürfte dann ja eher größer sein…
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Stoffel
12.2.2006
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Offener Brief
von Joachim Weckmann
an Detlef Stoffel
Lasst Seehofer kommen!
Lieber Detlef,
Du hast Recht. Minister Seehofer wegen einer von Renate
Künast einführten Tradition einzuladen, ist eine
Unverschämtheit. Die Leitung der BioFach hat da wirklich
Mist gebaut. Auch sie hat noch nicht verstanden, dass die
Deutsche Landwirtschaft ein Kompetenzproblem hat, wenn das
Ministerium nicht von den Grünen besetzt wird.
Aber ist die Entscheidung der Leitung nicht auch verständlich.
Ihr bleibt gerade nicht mehr als Horst Seehofer. Ein Landwirtschaftsminister,
der lieber Gesundheitsminister wäre und die Notsituation
in der deutschen Landwirtschaft nicht versteht.
Blick doch nur einmal auf die Gentechnik-Politik von Horst
Seehofer. Munter wirft er den konventionellen Bauern und den
Gentechnik-Bauern in einen Topf. Preist die Agro-Gentechnik
als Zukunft der deutschen Landwirtschaft an. Dabei ignoriert
er, dass es keine konventionelle und ökologische Landwirtschaft
in Deutschland mehr geben wird, wenn die Agro-Gentechnik kommt.
Den Applaus des Bauernverbandes missversteht Seehofer sogar
als Zustimmung. Dabei ist dieser Applaus nicht mehr als der
Zuspruch der Verzweifelten. Vielen konventionellen Bauern
geht es heute schon so schlecht, dass sie dankbar nach jedem
Strohalm greifen, der ihnen geboten wird.
Deshalb sage ich, ladet Seehofer ein! Denn wir Bio-Produzenten
haben eine Alternative und wir können Ihnen lieber Herr
Seehofer unsere Alternative auf der BioFach zeigen. Wenn wir
sagen, wir verlagern unsere Produktion, ist das keine leere
Drohung. Und mehr: Wir haben auch ein soziales Gewissen. Sollte
die Agro-Gentechnik nach Deutschland kommen, lassen wir unsere
Landwirte nicht alleine und liefern sie der Willkür internationaler
Konzerne aus.
Aber liebe Geschäftsleitung der BioFach, verwechseln
Sie bitte bei dieser Einladung nicht die Professorin mit ihrem
Assistenten, weil beide zufällig an derselben Universität
lehren.
Joachim Weckmann
15.2.2006
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| Vita:
Mit 27 gründete Detlef Stoffel 1977
einen der ersten Bio-Läden der Republik, Löwenzahn
in Bielefeld, es folgten zwei weitere Läden und Anfang
der 80er der regionale Großhandel gleichen Namens. Mitgründer
verschiedener Firmen im Naturkost-Bereich, Mitgründer
des Bundesverband Naturkost Naturwaren und dort über
zehn Jahre Vorstand, Vorstandstätigkeit im Demeter-Marktforum.
Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer
der Marketing für Naturkost (heute ECHT BIO). Seit 2000
freier Berater und Projektentwickler, aktuell Projektmanager
der beauty & nature concepts AG. |
Vita:
Joachim Weckmann gründete 1976 zusammen
mit anderen Bio-Aktivisten die erste Bio-Bäckerei in
Berlin. Mit einem Rucksack zog er durch Berlin und brachte
Vollkornbrot und Früchtebrötchen unter die Berliner.
1981 kaufte Joachim Weckmann die Berliner Traditionsbäckerei
Märkisches Landbrot in Neukölln und baute den konventionellen
Betrieb konsequent zur größten Brotbäckerei
Demeter der Region um. 1997 erhielt Joachim Weckmann für
sein Engagement den Berliner Umweltpreis, 2000 war Märkisches
Landbrot Expo-Projekt. Seit 2002 engagiert sich Joachim Weckmann
für die Schulaktion Bio-Brotbox unter Schirmherrschaft
von Renate Künast. |