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Berichterstattung in S&K über den Nachhaltigkeitspreis (Gelesen: 21 mal)
Rolf Muetze
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BRD
Berichterstattung in S&K über den Nachhaltigkeitspreis
11.02.2010 um 10:34:20
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Liebe Naturkost Kolleginnen und Kollegen,

In der Februar-Ausgabe des Magazins bringt Schrot & Korn auf Seite 56 einen PR-Artikel über Alnatura als besonders nachhaltigem Unternehmen.

Wir laufen Gefahr, da wir als selbständiger Naturkosteinzelhandel weniger reflektierende oder schwankende LeserInnen deshalb als Kunden verlieren. Und diese Abwerbung wird sogar von uns selbst über die Verteilung und den Preis der Hefte, den wir an Schrot & Korn bezahlen müssen, finanziert.

Wir für uns haben deshalb postwendend reagiert und 75 Prozent unserer Februar-Ausgabe vernichtet und unseren Bezug der Exemplare um die Hälfte reduziert.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, da  in Schrot & Korn auch Werbung für Produkte gemacht wird, die wir manchmal nicht führen möchten, aber trotzdem dazu von Kunden gedrängt werden, behalten wir uns vor, den Bezug von Schrot & Korn in Zukunft ganz zu stoppen.

Obwohl wir schon sechsmal einen Preis bei der alljährlichen Schrot & Korn Kundenbefragung gewonnen haben, lehnen wir diese Aktion eigentlich ab, weil auch hier über Manipulationen unberechtigt Kunden abgeworben werden können und das Ganze mehr oder weniger subjektiv ist und von einzelnen Ladnern massiv gesteuert werden kann, auch über das mit Hunderttausenden von Euro finanzierte Ladenequipment einschließlich dem Ankauf von allem möglichen Kundenbeeinflussungsinstrumentarium und "Zentralen", die keine andere Aufgabe haben, als uns alte Ladner aus dem Wettbewerb zu kicken.

In einer persönlichen Aussprache formulierte Herr Weiland von der Firma Schrot und Korn mir gegenüber das System von Alnatura (Verkauf der Eigenmarken über DM, Budnikowsky und Tegut und die Finanzierung der eigenen Filialen hieraus) als genial und bezweifelte, ob andere Naturkostläden auch so umweltfreundlich seien wie Alnatura.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Hässner für
Familie Hässner

..............................................................................

Erdi Biomarkt
70190 Stuttgart
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Rolf Muetze / Administrator
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Rolf Muetze
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BRD
Re: Berichterstattung in S&K über den Nachhaltigkeitspreis
Antwort #1 - 11.02.2010 um 10:35:48
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Guten Tag,

Diskussionen im Naturkosthandel sollten unter den Beteiligten stattfinden und nicht über die Betroffenen. Ende letzter Woche erreichte Euch möglicherweise eine Mail von Karl Hässner, in der er Kritik an Schrot&Korn äußerte (z. B. an der Meldung zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis, die auch Alnatura erwähnte). Da wir diese Mail nicht direkt erhielten, sondern leider erst verspätet von Dritten, können wir erst jetzt zu der Kritik Stellung nehmen.

Herr Hässner hat an einen recht breiten Verteiler gemailt, den er uns nicht nennen möchte. Einige Reaktionen zeigen, dass die angesprochenen Themen kontrovers diskutiert werden. Deswegen nun diese Mail an Euch.  

Nennung von Alnatura beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Grundsätzlich erwähnen wir in Schrot&Korn keine Bio-Läden. Weil ansonsten ein Laden, der „seine“ Hefte verteilt, für einen Mitbewerber Werbung machen würde. Ausnahmen machen wir nur, wenn eine Meldung zu einem Laden für den Leser/für die Branche einen hohen Nachrichtenwert hat.

Beim Nachhaltigkeitspreis sind wir der Ansicht, dass

  • wir es unseren Lesern schuldig sind, sie über den Nachhaltigkeitspreis zu informieren
  • es zum Vorteil des ganzen Naturkosthandels ist, wenn wir darüber berichten (können). dass die Aktivitäten „unserer“, also naturköstlicher Bio-Unternehmen von Außenstehenden gewürdigt werden. (Da in weiten Teilen der Öffentlichkeit immer noch „die Bio-Läden“ als Einheit wahrgenommen werden, ist dies natürlich auch von Vorteil für nicht gewürdigte/erwähnte Läden.)

Deshalb auch die Erwähnung der Bio-Brauerei Neumarkter Lamsbräu in der kritisierten Meldung. Sie war in der Spitzen-Dreiergruppe der Kategorie „Nachhaltigste Marke“. Und Alnatura gehörte zu den ausgezeichneten Top 3 „Deutschlands nachhaltigste Unternehmen 2009“

Nun wird gesagt: „Ja, Alnatura hat die Leute, das Geld, den Verwaltungsapparat, um so einen Preis zu gewinnen. Aber „normale“ Läden?“ Wir bemühen uns, gerade wenn kleinere Läden etwas Besonderes zu einem „naturköstlichen“ Thema – bio, vollwert, fair, nachhaltig, CO2 … - leisten, dies auch zu erwähnen. Wie z. B. Bio-Emma in Ottersberg, die sich als erster Laden CO2-zertifizieren ließen. Auch diesen Laden haben wir im Zusammenhang mit dem Thema „Chefsache Klimaschutz“ im Artikel erwähnt. Weil wir fanden, dass er für viele andere Läden steht, die ebenfalls nachhaltig wirken. Nur mit solchen Läden können wir das stellvertretend für den gesamten Naturkosthandel den Lesern zeigen.

(Übrigens ist das für uns auch ein Argument für die Leserwahl zum „Besten Bio-Laden“. Denn hier helfen wir, vor Ort einen Anlass zur Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen.)

Werbung in Schrot&Korn allgemein

Welche Anzeige eine Zeitschrift zulässt, ist eine Frage des Selbstverständnisses und der redaktionellen Ausrichtung. Wir diskutieren unsere Anzeigen-Politik immer wieder neu. In unseren Anzeigenunterlagen steht (und daran halten wir uns):
„Wir lehnen Anzeigen ab, die mit dem Naturkosthandel konkurrierende Vertriebswege bewerben oder einer gesunden, nachhaltigen Lebensweise widersprechen.“
  • Keine Werbung eines Versandhändlers für Produkte, die auch zum Sortiment vieler Bio-Läden gehören.
  • Keine Anzeigen z. B. für Zigaretten, AKWs, angebliche Wunder wirkende überdosierte Vitaminpillen, merkwürdige Investments, konventionelle Lebensmittel. (Wobei „widersprechen“ bewusst gewählt ist. Denn für Naturwissenschaftler sind Kupferarmbänder und Makrobiotik äußerst zweifelhaft. Für Vegetarier und Veganer sind alle tierischen Produkte tabu. Und für Rohköstler alles Gekochte.)

Natürlich wäre es uns am Liebsten, wenn in Schrot&Korn nur Werbung für Produkte wäre, die in Bio-Läden verkauft werden. Allerdings haben wir keinen Einfluss auf die Marketing-Politik der Naturkost- und Naturkosmetik-Hersteller. Und leider sind die Werbeaufwendungen der meisten nach den Maßstäben „normaler“ Markenpolitik sehr gering. Und damit auch ihre Ausgaben für Werbung in Schrot&Korn. Deshalb ist Schrot&Korn momentan auf „branchenverwandte“ Anzeigen angewiesen. (Ohne diese müssten wir den Heftpreis für die Läden etwa verdoppeln, bei deutlich verringertem Umfang.)

Allerdings bezahlen solche Anbieter (Banken, Textilversender, Urlaub …) für ihre Anzeigen 33 % mehr als Naturkost- oder Naturkosmetik-Firmen. Denn auf Anzeigen, die „ausschließlich den Absatz über den Naturkosthandel bewerben“, geben wir unseren „Produktrabatt“.
Zur Abrundung hier noch weitere Regeln unserer Anzeigenpolitik:

  • Keine Aktionspreise bei den Anzeigen.
  • Wenn wir erfahren, dass ein Unternehmen sich gesetzwidrig oder grob unmoralisch verhält (Betrug, Kinderarbeit, Ausbeutung der Lieferanten oder Mitarbeiter), lehnen wir eventuelle Aufträge ab. (Gleiches gilt, wenn wir erfahren, dass die Eigentümer eines Unternehmens sich so verhalten haben und dies auch in Zukunft zu erwarten ist.)


Anzeigen für Produkte, die „unser Laden nicht führt“

Hier liegt natürlich ein Grau-Bereich. Einerseits können und wollen wir nicht, dass Läden über Schrot&Korn quasi gezwungen werden, Produkte, die sie ablehnen, zu führen. Andererseits würde die Begrenzung der Anzeigen auf Produkte, die praktisch alle Läden führen, selbst viele Rapunzel-Produkte von der Bewerbbarkeit ausschließen. Wir wären dann „Zensoren“,  die entscheiden, was denn nun die „verbreiteten“ und ethisch vertretbaren Naturkost-Produkte sind. (Die Mitarbeit beim BNN-Kodex ist leider nicht ausreichend – Firmen wie Rapunzel, dennree, Zwergenwiese, Lavera, Wala … sind dort nicht gelistet.)

Wir gehen also einen Mittelweg. Wenn Produkte nicht – siehe oben – einer gesunden, nachhaltigen Lebensweise widersprechen und bei genügend Großhändlern gelistet sind (so dass ein Laden sie normalerweise beziehen kann), können sie in Schrot&Korn beworben werden. Und wir wissen, dass diese Lösung nicht wirklich scharf abgrenzt. Es ist die einzige, die bisher zwischen „Alles geht!“ und „Nur Allos-Vielblütenhonig und ähnliches!“ vernünftig umsetzbar ist.

(Wenn Kunden einen Laden „drängen“, bisher nicht geführte Produkte kaufen zu können – ist das ja nicht nur schlecht, oder?)

S&K-Leserwahl – Die besten Bio-Läden 2010

Die Aktion haben wir vor sieben Jahren hauptsächlich deshalb initiiert, weil wir jedem Bio-Laden ermöglichen wollten,

  • Einfach und kostengünstig Feedback von seinen Kunden zu erhalten. Zu erfahren, was schätzt der Kunde an „seinem“ Laden und was wünscht er sich zusätzlich. Damit geben wir den Läden die Möglichkeit, für ihn praktisch kostenlos seine Stärken weiter auszubauen und seine Schwächen zu beheben.
  • Sich im Wettbewerb einschätzen zu können: Durch Vergleich mit den Durchschnittsnoten der Branche kann ich als Laden auch allgemein feststellen, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Und durch Veränderungen der Note über die Jahre schon recht frühzeitig eventuelle Veränderungen in der Kundenwahrnehmung bemerken.  

Und natürlich: Wenn man eine solche Aktion macht – warum sollte man dann nicht die Möglichkeiten nutzen, die darin für die ladeninterne und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit liegen? Deshalb gibt es die kostenlosen Auswertungen und Urkunden bei guten Leistungen. Viele Läden haben gute Erfahrungen mit dem Aushängen der Bemerkungen und der Urkunden gemacht. Und mittlerweile kann mit der Auszeichnung „Bester Bio-Laden“ in der Öffentlichkeit geworben werden.

Manipulationsversuche gibt es – leider – immer. Und wir können sie auch nicht vollständig ausschließen. Aber wir können sie erschweren. Durch die wachsende Bedeutung der Leserwahl ist die Motivation für Mogeleien größer geworden. Damit ist sicherlich auch die Manipulationsgefahr größer geworden. Doch gleichzeitig wachsen unsere Möglichkeiten zur Überprüfung. Mit diesen Erfahrungen verbessern wir gerade unsere internen Kriterien und installieren für die nächste Leserwahl neue Überprüfungsprozesse.

Ja, es gibt „Doping“ bei der Leserwahl. Wir erschweren es – aber verwerfen deshalb nicht den ganzen Wettbewerb.

Noch ein letztes – Herr Weiland fühlt sich von Herrn Hässner missverstanden.

Das ist eine lange Antwort auf einen langen Brief. Natürlich gibt es weitere Gesichtspunkte, Aspekte. Deshalb freuen wir uns auf eine rege Diskussion. Gelegenheit dazu ist ab heute nachmittag im BioHandel-Form. Nur, wenn wir uns auseinander- und wieder zusammensetzen, können wir alle lernen.

Viele Grüße

Ulrike Fiedler
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Rolf Muetze / Administrator
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Markus
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Beiträge: 3

Re: Berichterstattung in S&K über den Nachhaltigkeitspreis
Antwort #2 - 11.02.2010 um 17:28:11
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Hallo Familie Hässner,

ich habe versucht, Ihre Aufregung nach dem Lesen der Email (auch an mich) zu verstehen. Es mißlang mir ganz deutlich.
Der kritisierte Artikel (von S.56) ist eine Belanglosigkeit, ich kann mich da Ulrike Fiedlers Replik vollkommen anschließen.
Den einen drückt halt Alnatura vor der Tür, den anderen Behindertenwerkstätten oder HartzIV-Ladner mit Lohn- und Kostendumping.
Aber statt zu schreien, weil andere sich besser vermarkten (die Berichterstattung ist ja nicht die Ursache, sondern die Wirkung) wäre es an uns, uns besser darzustellen, um dem Kunden Informationen zu bieten.

Natürlich ärgern wir uns auch ab und an über Anzeigen bzw. deren Inhalte und Aussagen (Amanparana z.B.), aber der von Ulrike beschriebene Zusammenhang ist sattsam bekannt und wirklich nicht neu.
Wir (Bioladner) werden halt weiterhin in einem Spannungsfeld leben und mir ist es eigentlich ganz lieb, wenn Kunden mit Fremdartikeln zu mir kommen (ob nun aus der S&K, dem Supermarkt, dem Reformhaus usw.), weil ich dann Alternativen bieten kann.

Egal, wie nun Herr Weiland verstanden oder interpretiert wurde, die von Euch wiedergegebene Aussage ist an sich nicht falsch. Bei "uns" Ladnern und Großhändlern läuft einiges grottenschlecht und -falsch. Strombezug, Büromaterial, Energieeinsparung, Herkünfte, Liefereffizienz usw sind Bereiche, wo viele Bioladen eine wirklich schlechte Figur machen.
Das heißt nicht, daß ich Alnatura (usw.) toll fände, aber sie geben in einigen Bereichen ein Level vor, von dem wir uns was abschneiden sollten.
Jedenfalls dann, wenn wir uns weiterhin als "Die Guten" oder gar "Die Besseren" verkaufen wollen.
MfG, Markus
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