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(Moderator:
Rolf Muetze
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Unsere Werte (Gelesen: 11 mal)
Vivo
YaBB Newbies
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Beiträge: 3
Unsere Werte
27.10.2009 um 06:34:04
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Ich möchte hier zwischen all den wichtigen Fragen nach Scannerkassen und Herstellerrabatten doch nochmal die Frage nach unseren Wurzeln und Werten aufbringen.
Diese grundlegende Frage sollte uns in die Lage versetzten unsere tägliche Arbeit leichter zu bewältigen, unsere Kundschaft wieder zu begeistern und damit natürlich auch unseren Rohertrag zu verbessern. Diesen Rohertrag würde ich gerne wieder mehr in Werten wie Spaß an der Arbeit und Wertschätzung in der Gesellschaft ausdrücken. Womit sind wir denn damals alle mal gestartet, viele von uns haben ihr Studium abgebrochen- wofür? Sicher nicht um Möhren und Kartoffeln zu verkaufen. Wir sind hunderte von Kilometern in alten Autos gefahren um die Ware heranzuschaffen, wir haben von Hand Etiketten geschrieben und auf selbst befüllte Cellophantütchen geklebt. Wir hatten einen "Auftrag", wir hatten Ziele und Werte und den Biss, der daraus entsteht. Und wir haben es weit gebracht mit unseren Ideen- man hört uns nicht nur zu, man ahmt uns nach- allerdings nicht mit halb so viel Enthusiasmus, sondern mit der ganzen Maschinerie des Handels.
Und was tun wir jetzt, wir lassen uns beeindrucken von eben dieser- wir versuchen nun unsererseits so zu sein wie die Großen (Scannerkassen, Kundenbonoptimierung, Gewinnmaximierung...) Wobei ich das gar nicht schmälern will, solange sie der Verwirklichung unserer Ziele dienen sind mir alle technischen Möglichkeiten herzlich willkommen (und wie man sieht, nutze ich sogar einen Computer)
Es wird Zeit, das wieder wir voran gehen und unsere Ideen und Werte von den anderen übernommen werden.
Wir haben doch mehr zu bieten als nur Bio. Ausgangspunkt unserer Bewegung damals waren andere Werte, eine andere Gesellschaft schwebte uns vor, in der es allen gut gehen möge- vom Regenwurm auf dem Bio-Acker bis hin zum Endverbraucher. Unser System war von gegenseitigem Vertrauen geprägt und wir haben viel Spaß an der Arbeit gehabt. Neue Werte....- glaubt Ihr das das übertrieben ist ??
Ich meine, es geht nur über diese Werte. Ein gutes Beispiel ist demeter, die haben es leichter. In ihrem anthroposophischen Wertekontext lassen sich Strukturen viel leichter neu finden. Und das beeindruckende Wachstum in diesen Betrieben bestätigt die Notwendigkeit, es ist einfacher in einem Wertegerüst die täglich anstehenden Fragen zu beantworten. Nun will ich nicht vorschlagen, dass wir alle Anthroposophen werden sollen, aber ich halte es für immens wichtig, dass wir uns der Wertediskussion stellen. Warum nicht hier im Blog.
Also, wo soll die Reise hingehen?
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reani
YaBB Newbies
Offline
Beiträge: 1
Re: Unsere Werte
Antwort #1 -
28.10.2009 um 14:54:08
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Hallo,
ich bin ja ein junger Spund im Naturkost-Bereich. Bin 33 und habe seit ca. 4 Jahren einen Laden, bin aber mit "Bio" aufgewachsen. Man darf bei dieser Debatte nicht vergessen, dass sich die Zeiten ein wenig geändert haben. Was mussten wir damals in den Städten nach einem Bioladen suchen, der dann in der hintersten Ecke war und auch nicht sehr einladend aussah. Heute findet man in einigen Städten Bio-Supermärkte in EKZ und in Fußgägnerzonen. Nur von den klassischen Biokäufern könnten solche Geschäfte und auch mein Geschäft nicht leben.
Der heutige "normale" Biokäufer hat nicht mehr so das Interesse an den Werten von damals, da er "zu vorzogen" vom konventionellen Handel ist. z.B. bei Äpfeln (alles eigene Erfahrungen): wenn ein regionaler Apfel (alte Sorte, ein wenig Schorf) und daneben ein Überseeapfel (schön groß, knackig, lasch im Geschmack) liegt, greift die Mehrheit zum Überseeapfel und verlangt solch einen Apfel auch. Sie freuen sich zwar über die alte Sorte und kaufen sie einmal (Schmeckt wie früher!!!), aber danach wird wieder zum Übersee-Apfel gegriffen. So ist es "leider" mit vielen Dingen.
Auch wird Bio mittlerweile blind vertraut, so dass man seelenruhig beim Discounter zugreift, obwohl dort mit Hefeextrakten, konventionellen Aromastoffen uvm. gearbeitet wird. Daher ist die Erklärung des Unterschieds von Bio im LEH und Bio im Fachhandel sehr mühsam.
zu Demeter: Wir haben z.B. Kunden, die Demeter-Produkte direkt ablehnen, da es Ihnen zu mystisch ist.
Es müssten einfach mehr Menschen darüber nachdenken, was sie eigentlich essen und gedankenlos bei Aldi und Co. in den Einkaufskorb tun. Darüber nachdenken tun zwar viele, aber danach handeln fällt den meisten davon schwer. Da müssen wir ansetzen und tun es auch schon.
Ich will damit sagen, dass es in der heutigen Zeit schwer ist, mit all den zusätzlichen Aufgaben im Laden (Gab es damals HACCP-Bestimmungen mit MHD-Check, Temperaturprotokoll usw.?) die Werte den Kunden nachzubringen, denn sie schlummern bestimmt noch bei jedem von uns in unterschiedlicher Intensität.
Eigentlich bräuchte man (wünsche ich mir nicht!!!) einen richtigen Bio-Skandal im LEH mit einem Zusammenbruch der Bio-Nachfrage, so dass wir alle wieder bei Null beginnen können. Oder???
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Berggenuss
YaBB Newbies
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Beiträge: 2
Wehringen
Re: Unsere Werte
Antwort #2 -
22.11.2009 um 17:20:43
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Ich habe dieses Forum erst vor Kurzem entdeckt.
Wenn es hier so interessante Diskussion gibt, wie diese über die Werte, dann werde ich sicher gerne öfter vorbei schauen.
Auf der letzten Biofach haben wir mit vielen Leuten über genau dieses Thema gesprochen.
Bio scheint sich in zwei Richtungen aufzuspalten:
1.Die Massen-Produktion für LEH und Discounter
2.Die Produzenten, Verarbeiter, Händler, die noch Bio nach „alter“ Überzeugung leben und produzieren
Es ist so wie reani schreibt, der Wille ist grundsätzlich da und die Werte vorhanden.
Es fällt den Leuten nur sehr schwer, sich danach zu richten, weil es so schwer ist, zu kontrollieren, ob es sich auch lohnt, für die Werte etwas mehr Geld auszugeben, als für Bio beim Discounter.
Die Informationsflut ist so gewaltig, Bio in aller Munde, die Verunsicherung riesig.
Es geht wohl in erster Linie um Vertrauensbildung.
Wie kann man den Leuten glaubhaft machen, daß sie mit ihrem Geld auch wirklich Gutes bewirken bzw. einen Mehr-„Wert“ für ihr Geld bekommen, wenn sie im Fachgeschäft kaufen?
Wir vertreiben mit unserer Firma Berggenuss sehr hochwertige Bio-Spezialitäten aus den Bergen - ausschließlich von kleinen, handwerklichen Produzenten, die wir fast alle persönlich besucht haben.
Da treffen wir immer wieder auf Menschen, die diesen Werten stark verbunden sind.
Dabei geht es gar nicht so sehr um neue, gesellschaftsverändernde Ideen, sondern viele Bergbauern sind ja sehr traditionellen Werten verbunden und sind bewunderswert erfindungsreich, wenn es darum geht, wie man diese Werte in die heutige Zeit retten kann.
Da gibt es Aktionen, z.B. daß die Käsereien mehr zahlen für Kühe mit Hörnern oder soziale Projekte zum Erhalt von Arbeitsplätzen in abgelegenen Alpentälern ect.
Um diese Informationen bis zu den End-Kunden zu transportieren, fotografieren wir sehr viel und stellen dieses Fotomaterial unseren Kunden (Naturkostfachgeschäfte, Abokisten-Betreibern, Feinkostläden) zur Verfügung für eigenes Werbe- und Infomaterial.
Genutzt wird das momentan von einigen Abokisten-Betrieben, die damit sehr gute Erfahrung machen.
Wenn die Kunden so ausführlich informiert werden, wo die Produkte herkommen und wie sie produziert werden, dann sind sie auch gerne bereit, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen und es können auch neue Kunden gewonnen werden durch solche Aktionen.
Sicher ist das mit einigem Aufwand verbunden, aber eine sehr wirksame Methode zur Vertrauensbildung.
Wichtig ist dabei, daß der Genuss-Gedanke nicht zu kurz kommt.
Die verschrumpelten Äpfelchen schmecken ja tatsächlich besser und das bleibt sicher länger im Bewußtsein, als daß sie regional sind. Der Kunde denkt und handelt nun mal vorwiegend in erster Linie in eigener Sache, das mache ich bei selbstkritischer Betrachtung in den meisten Fällen ja auch als Verbraucher.
Wir wissen, daß viele Kunden sich für unseren Käse interessieren, weil sie der Slow Food Philosophie mit Genuss und handwerklicher Produktion anhängen, Bio ist für diese Kunden nur eine gern gesehene Zugabe.
Ich denke, solche Werte und Philosophien gilt es zu kommunizieren (sofern man sie auch selbst lebt, sonst ist es vermutlich nicht wirklich wahrhaft überzeugend.)
Wie schwierig das alles ist, angesichts bürokratischer Hindernisse und sonstiger Zeitfresser und knapper Ressourcen, das kennen wir zu Genüge.
Ob ein Skandal hilft? Keine Ahnung...ich glaube, nicht wirklich.
Der würde nur ausgeschlachtet von der Lobby, der Bio sowieso ein Dorn im Auge ist und würde viel zu große Verluste für die bedeuten, die die Werte noch wirklich leben und sich freiwillig an strengere Regeln halten, als theoretisch nötig wäre.
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http://www.berggenuss.de
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